In meinen Arbeiten gibt es viele Gegensatzpaare: Linie und Fläche, offener und geschlossener Raum, durchsichtige und undurchsichtige Elemente, eckig und rund, glatt und rau, und viele andere. Und so gehe ich auch an das Material heran.
Ich finde er interessant, etwas damit zu tun, das nicht in diesem Material angelegt ist. Dass also etwa Glas, das eine trennende Funktion hat, auch gleichzeitig durchsichtig ist. Dass eine gebrochene Kante wie eine Linie ist. Dass ich das Metall beim Schleifen abhäute und so für das Licht empfänglich mache. Das sind unterschiedliche gegenläufige Bewegungen, die für mich wichtig sind, um einen Dialog herzustellen.
Camill Leberer im Gespräch mit Rasmus Kleine, BLICKWECHSEL 2010
Ruri Matsumoto reduziert dreidimensionale Räume Mithilfe von Faden auf Linien und übersetzt schließlich die Gesamtheit in eine bemalte Leinwand. Mit jeder Schicht wird die Zusammensetzung komplexer. Die Linien werden vertikal angeordnet und mit Klebeband begradigt. Unter dem Klebeband können sich Farben miteinander vermischen, während beim Entfernen des Klebebands manchmal Farb-fragmente abbrechen.
Das Ergebnis ist ein Gemälde, das auf den ersten Blick mit starken Linien konstruiert zu sein scheint, bei näherer Betrachtung jedoch eine Landschaft von Linien darstellt, die sowohl empfindlich als auch unvorhersehbar sind.
Jürgen Paas untersucht in seinem künstlerischen Werk die Funktion von Malerei, von Gedächtnis und von Komplexität. Dabei geht er immer ganz konkret vom Objekt des Bildes aus, das er – fast wie in einem Museum – untersucht, lagert, deponiert, vervielfältigt, archiviert und immer in Bezug auf die vorgefundenen Räume präsentiert.
Jürgen Paas distanziert sich in seinem Werk vom singulären Bild und arbeitet in Reihen, Verdichtungen, Ensemblen, Installationen oder thematisiert diese Vielgestaltigkeit in der Offenheit der einzelnen Bildkomposition.
(Dr. Gabriele Uelsberg, Rheinisches Landesmuseum Bonn (D) 2016)
Was an Dirk Rathkes Bildobjekten zuerst auffällt, ist ihre unverwechselbare Gestalt, die zugleich ihre Form bestimmt. Was sich langsamer erschließt, ist das Wirkungsspektrum ihrer differenzierten und jeweils sehr unterschiedlichen Farbgebung. Und was sie schließlich auszeichnet, ist das genau aufeinander abgestimmte und unauflösliche Zusammenspiel von Farbe, Form und Bildträger, das den einzelnen Arbeiten ihre jeweils spezifische Identität verleiht und die visuelle Intelligenz ihrer Betrachter herausfordert und nachhaltig beschäftigt.
Dr. Dirk Koppelberg